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Die wechselvolle Geschichte des ehemaligen Benediktinerklosters Breitenau
Gegenüber dem Ortskern von Guxhagen, am linken Ufer der Fulda, liegt das ehemalige Benediktinerkloster
Breitenau, das man auch als "Keimzelle" Guxhagens ansehen kann.
Es wurde im Jahre 1113 von dem Grafen Werner von Gröningen in der "breiten Aue", wo Fulda und Eder
zusammenfließen, gegründet. Seine Familie, die aus Markgröningen in Württemberg stammte, war schon
seit mehreren Generationen in Holzhausen ansässig, und ihr gehörte die ausgedehnte hessische Grafschaft
Maden.
Zur Gründung des Klosters wandte er sich an den Abt Bruno von Beutelsbach des Klosters Hirsau im
Schwarzwald, zu dem er verwandtschaftliche Beziehungen hatte, und 1119 entsandte dieser dreizehn
Benediktinermönche nach Breitenau, von denen der Mönch Drutwin bald darauf zum ersten Breitenauer
Abt ernannt wurde.
Das Kloster Breitenau wurde damit Teil einer Reformbewegung, die am Ende des 11. Jahrhunderts vom
Kloster Hirsau ausging und in der die Benediktiner zu den ursprünglichen Idealen des Hl. Benedikt,
zu strengeren Ordensregeln, zurückkehren wollten und sich in der Zeit des Investiturstreites auf
die Seite des Papstes stellten. In der nordhessischen und thüringischen Region gab es solche
Einflüsse über Hirsauer Äbte und Mönche noch in den Klöstern Hasungen bei Zierenberg, Paulinzella
im Thüringer Wald, Peter und Paul in Erfurt, Reinhardsbrunn an der Werra, auf der Amöneburg und im
Kloster Corvey bei Höxter.
Bau der Klosterkirche
Die Breitenauer Mönche begannen sehr bald mit dem Bau der großen Klosterkirche, die 54 Meter lang
und 18 Meter breit werden sollte. Es entstand eine dreischiffige, flachgedeckte romanische
Pfeilerbasilika im Stil der "Hirsauer Bauschule" mit fünf Apsiden, in denen sich der Hauptaltar
und Nebenaltäre befanden. Sie war der Heiligen Maria geweiht, und Chor und Querschiff waren um 1145
fertiggestellt. Vor allem im Bereich des Mittelschiffs wurde die Kirche mit aufwendigen Ornamenten
geschmückt, von denen viele noch zu bewundern sind. Sie sind auf oberitalienische Vorbilder
zurückzuführen, dort aber eher an Herrscherbauten zu finden. Wahrscheinlich wollte der Mainzer
Erzbischof, dem das Kloster nach dem Tode des Stifters von dessen Witwe übertragen wurde, damit
seine Macht zum Ausdruck bringen.
Vergangenes Klosterleben
Das ehemalige Klostergebäude wird noch heute von der alten Klostermauer kreisförmig umschlossen.
In der Klostermauer befanden sich zwei Tor-Türme, das ehemalige "Fulda-Tor" und das heute noch
erhaltene "Grifter-Tor". Die eigentlichen Klostergebäude schlossen sich an der Nordseite der Kirche
an. Dort befanden sich auch der Kreuzgang und ein Klausurgebäude, von dem heute nur noch Reste
erhalten sind. Im 15. Jahrhundert wurde die steinerne Zehntscheune, in der sich heute die Gedenkstätte
befindet, erbaut. Am Südende des Klostergebäudes lag der Klosterfriedhof; dort stand eine Kirche,
die im Jahre 1321 erstmals erwähnte Nikolauskirche. Auf dem Klostergelände wurden Obst, Gemüse und
Wein angebaut. Am Westende des Geländes lagen mehrere Scheunen und Stallungen, und am Fuldaufer befand
sich schon damals die Klostermühle. Da sich die Mönche auch von Fischen ernährten, war die Lage an
der Fulda auch für den Fischfang von Bedeutung.
Die Blütezeit des Klosters lag wohl zwischen der Mitte des 12. Jahrhunderts bis zum Ende des
14. Jahrhunderts. In diese Zeit, in das Jahr 1352, fällt auch die erste Erwähnung Guxhagens, wobei
man allerdings davon ausgehen kann, daß die Entstehung Guxhagens auf der gegenüberliegenden Fuldaseite
in die Anfänge des Klosters zurückreicht. In einer Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1352 stiftet
ein Werner Fuchfuß (was wohl Krähenfuß bedeutete) aus Guxhagen (damals "Kukushayn" bzw. "Kukkuckshain")
seinen geerbten Hof in Büchenwerra dem Kloster Breitenau. Solche Schenkungen trugen dazu bei, daß das
Kloster zu einem der reichsten in Hessen wurde. Zum Besitz des Klosters gehörten nicht nur die
damaligen Dörfer Guxhagen, Ellenberg und Büchenwerra, sondern noch Äcker, Wiesen, Wälder, Weinberge
und Gewässer in fast 100 Orten. Der Reichtum kam auch dadurch zustande, daß Adelsfamilien aus der
Umgebung ihre jüngsten Söhne in das Kloster "einkauften". So stammten allein von den 10 Äbten zwischen
1314 und 1444 acht aus Adelsfamilien, z.B. Werner von Elben, Johann von Wolfershausen oder Hermann von
Gilsa. Wahrscheinlich spielte dadurch auch die geistige und kulturelle Bildung im Kloster eine große
Rolle, aber leider sind vom Klosterleben nur wenige Aufzeichnungen erhalten. So ist z.B. überliefert,
daß der Breitenauer Mönch Johannes Toilde 1470 die Orgel der Stiftskirche zu Hersfeld erneuerte und
1486 - 1490 die dortige Stiftskirche ausmalte.
Umbau und neue Nutzung
Im Jahre 1497 schloß sich das Kloster Breitenau der Bursfelder Kongregation an, einer erneuten
Reformbewegung, die vom Kloster Bursfelde an der Weser ausging - und wieder wollten sie zurück zu den
Wurzeln des Hl. Benedikt. Als äußerlichen Ausdruck dieses Reformwillens bauten die Mönche den Ostteil
der Klosterkirche (Chor und Querschiff) zwischen 1502 und 1509 im gotischen Stil um. Das Kloster sollte
jedoch nicht mehr lange bestehen. Bereits 1527 wurde es durch Landgraf Philipp im Zuge der Reformation
aufgelöst, und der Prior des Klosters, der Holländer Theobald Zabel von der Insel Texel, wurde der
erste evangelische Pfarrer von Guxhagen.
Das Kloster wurde zu einem fürstlichen Hofgut umgewandelt und die Klosterkirche im Jahre 1579 zu einem
Fruchtspeicher und Pferdestall umgebaut. Dazu wurden die Seitenschiffe abgerissen, die Arkaden
zugemauert und in die gesamte Kirche mehrere Holzböden eingezogen. Dreißig Jahre später ließ der
Landgraf Moritz das ehemalige Kloster zu einem fürstlichen Sommersitz, einem Lustschloß, umbauen.
Im 30-jährigen Krieg wurde die ehemalige Klosteranlage schließlich zweimal zerstört und ist dann
langsam verfallen.
Ende letzten Jahrhunderts begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte Breitenaus - das ehemalige
Kloster wurde für 100 Jahre zu einem Ort des Einsperrens und der Ausgrenzung. Es begann mit dem
Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, als die zum Speicher umgebaute Klosterkirche als
Kriegsgefangenenlager für 750 französische Kriegsgefangene genutzt wurde.
Gunnar Richter
Zur Geschichte des Klosters befindet sich seit 1999 eine Dauerausstellung in dem heute als
Guxhagener Gemeindekirche genutzen Teil der ehemaligen Klosterkirche.
Auch eine Ton-Dia Reihe zur Geschichte des Klosters kann in der Gedenkstätte angesehen werden.
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