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Der Massenmord am Fuldaberg (30. März 1945)
 

Im Zuge der Auflösung des Arbeitserziehungslagers wurden am 29. März 1945 gegen 11 Uhr morgens 30 - 40 Schutzhaftgefangene (Männer) unter Bewachung von einem Gestapo-Mann und 5-6 SS-Männern nach Kassel gebracht. Sie sollten dort, nach Aussage einer ehemaligen Gestapo-Mitarbeiterin, auf Befehl des Gestapostellenleiters Marmon, der in der Karwoche 1945 zum Kommandeur der Sicherheitspolizei ernannt worden war, auf einem Friedhof erschossen werden. Den Erschießungsbefehl hatte Marmon dem Obersturmführer S. mitgeteilt und dieser hatte ihn an den niederländischen Gestapo-Mann Erich B., der das Kommando begleitete, weitergegeben.
Zwischen 11 und 12 Uhr nachts kam das Kommando mit den Gefangenen wieder nach Breitenau zurück. Die Gefangenen waren in Kassel nicht erschossen worden, weil die Gestapo befürchtete, daß die amerikanischen Truppen Kassel eher als Guxhagen erreichen würden. Bei der Rückkehr in das Lager waren es noch 33 Gefangene; einigen der Männer war angeblich die Flucht gelungen. Die Gefangenen wurden nach ihrer Ankunft von dem Nachtaufseher in den Flur des Zellenbaus eingeschlossen. Anschließend wurden von den verbliebenen Schutzhaftgefangenen, die am kommenden Tag evakuiert werden sollten, zehn ausgewählt, um am Fuldaberg das Massengrab auszuheben. Einer der am Massenmord beteiligten Gestapo-Männer sagte später aus: "Gegen Mitternacht (...) habe ich in Breitenau von Kriminal-Kommissar und SS-Hauptsturmführer Engels den Auftrag bekommen, zusammen mit Kriminalassistent N. und 5 bis 6 SS-Leuten die Grabung eines Loches durch Häftlinge vorzunehmen. Er wurde mir gesagt, dass es für Leichen von Plünderern, die erschossen werden sollten, dienen würde. Den Häftlingen sollten wir sagen, es sei zum Vergraben von Akten."
Beschreibung: Beschreibung: Gedenkstein am FuldabergDer französische Gefangene Rene B. war unter den Gefangenen, die das Grab ausheben mußten. Hierzu bekamen sie von der Gestapo Hacken und Schaufeln. "Wir alle zitterten vor Angst. Wir gingen um das Lager herum abwärts, dann an der Fulda entlang. Ein kleiner Wald lag vor uns, und wir blieben am Waldrand stehen. Es war ein Kiefernwald. Dort mußten wir - vor den Mündungen von zwei auf uns gerichteten Maschinengewehren - eine Grube von 3 m mal 2 m ausheben, und diese Arbeit mußte bis Mitternacht beendet sein. - Es ist wohl unnötig, unsere Gedanken groß zu beschreiben, denn wir ahnten, daß sich hier ein Drama abspielen würde. Aber für wen? Für uns? Oder für andere? Ich kann sagen, daß niemand mehr fähig war, unter dem hier herrschenden Terror zu reagieren! Wir kamen mit unserer Grube nicht recht voran. Wir waren auf Fels gestoßen, trotzdem waren wir gegen 2 Uhr morgens mit unserer Arbeit fertig."
Während die Gefangenen unter Bewachung von einigen SS-Männern bei dem Grab warten mußten, gingen die beiden Gestapoleute mit den anderen SS-Männern in das Lager Breitenau zurück. Dort erhielten sie von Engels den Befehl, gemeinsam mit dem SS-Sturmscharführer und Kriminalsekretär Peter Frischkorn die Erschiessung durchzuführen. Die Gefangenen wurden nacheinander in drei Gruppen aus dem Zellenbau herausgeholt. Ein SS-Obersturmführer der Gestapo hatte eine Liste bei sich, aus der er jeweils 10 Gefangene aufrief. Anschließend wurden immer zwei Gefangene mit Stricken aneinander gefesselt und dann zum vorbereiteten Massengrab geführt. Die letzten drei der 33 Gefangenen blieben von der Ermordung verschont. Nach Aussage des Nachtaufsehers habe der Gestapo-Mann sie in drei Einzelzellen gesperrt und daraufhin das Zellengebäude verlassen.'
Die Gefangenen wurden vor den Augen derjenigen, die das Grab ausgehoben hatten, ermordet: "Es wurde uns befohlen, 20 m zurückzugehen. Da sahen wir 10 Gefangene in Handschellen kommen, immer 2 zu 2 verbunden. Die SS befahl ihnen, am Rand der Grube niederzuknien mit dem Gesicht zur Erde. Dann töteten sie sie durch Genickschuß.
Jedesmal mußten wir sie losbinden und sie nebeneinander in dieses schändliche Grab legen. (...) Die 2. Zehnergruppe kam heran, aber hier muß ich jetzt ausdrücklich betonen: ein Gefangener befreite sich, sprang in die bewaldete Schlucht, schwamm durch die Fulda, und wir hörten ihn am anderen Ufer wieder weiterlaufen. Niemand hatte reagiert, und so haben wir bloß 9 beerdigt. - Die letzte Zehnergruppe kam heran. Es spielte sich dasselbe ab. In der Aufregung und Verwirrung konnte ein weiterer Häftling fliehen.
Beschreibung: Beschreibung: ehemaliges Mahnmal auf dem FriedhofAnschließend mußten die Gefangenen unter Aufsicht von 4 Wachleuten die Grube wieder zuwerfen. Von diesen wurden sie gezwungen, einen Gefangenen, der noch nicht tot war und unentwegt schrie, mit Steinen zu erschlagen. "Wir sind gegen 5 Uhr morgens ins Lager zurückgekehrt, und wieder steckte man uns in Einzelhaft. Es ist unnötig, unsere seelische Verfassung zu beschreiben. Wir dachten immer an das, dessen Zeugen wir gewesen waren."
Unter den 28 Ermordeten befanden sich 16 sowjetische, 10 französische und zwei niederländische Gefangene. Bisher konnten lediglich zehn Opfer namentlich ermittelt werden; die Franzosen Marcel Delacroix, Maurice Courault, Andre Lamic, Joseph Duquesney, Louis Nouaille und Legrand, sowie die aus der Sowjetunion stammenden Stanislaus Ivanow, Andre Ivanow, Siergiej Tarassjuk und der Ukrainer Valentin Domaschewski. Über die anderen Opfer gibt es lediglich einzelne Anhaltspunkte aus Gegenständen, die bei ihnen gefunden wurden, wie z.B. Kriegsgefangenenmarken. Bei einer späteren Exhumierung der Toten im Jahre 1960 ergab sich, daß die Toten zwischen 17 und 40 Jahre alt gewesen sind.
 

aus: Breitenau. Zur Geschichte eines nationalsozialistischen Konzentrations- und Arbeitserziehungslagers; Gunnar Richter (Hrsg.), Kassel 1993)