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Breitenau - Teil eines riesigen Verfolgungsapparates
In den letzten Jahren sind durch Schülerprojekte, Studentengruppen und Geschichtswerkstätten auch
an zahlreichen hessischen Orten ehemalige Lager wiederentdeckt worden. Einige davon wurden im wahrsten
Sinne des Wortes "ausgegraben". Einmal waren es Teile eines Lagertores, die irgendwo auf einer
Wiese standen, ein anderes Mal Grundmauern von Baracken, die dichtes Gestrüpp überwuchert
hatte. In anderen Fällen merkte man erst jetzt, dass es sich bei einem Gartenhaus oder einem
Geräteschuppen um eine ehemalige Lagerbaracke handelte. Oder es wurden fast vollständig erhaltene
Gefangenen-Lager "entdeckt", die man erst beim näheren Hinsehen erkannte, weil sie zu
Wohnsiedlungen umgebaut worden waren.
Hinter all diesen Überresten verbarg sich die Geschichte von kleineren und größeren Lagern, und mit
all diesen Lagern ist das Schicksal von Tausenden von Gefangenen verbunden. Nach und nach trat ein
regelrechtes Lagernetz zutage.
Allein in Hessen existierten während des Zweiten Weltkrieges mindestens 28 Außenkommandos der
SS-Konzentrationslager Dachau, Buchenwald, Sachsenhausen und Natzweiler, des Frauen-Konzentrationslagers
Ravensbrück und des SS-Sonderlagers Hinzert. Außerdem gab es mindestens sechs Kriegsgefangenenlager
und acht sogenannte "Arbeitserziehungslager", zu denen auch Breitenau zählte. Hinzu kamen unzählige
Zwangsarbeiterlager, in denen Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder aus allen besetzten Ländern
zusammengepfercht waren, um in der Industrie Zwangsarbeit zu leisten.
Allein in Kassel sind über 200 solcher Lager nachgewiesen. Wenn man einmal das ehemalige Deutsche Reich
und die besetzten Gebiete betrachtet, wird das Ausmaß noch erschreckender: insgesamt sind bis heute mehr
als 1600 Außenkommandos und Stammlager von SS-Konzentrationslagern bekannt.
Breitenau, das ein Teil dieses Verfolgungsapparates war, stand mit vielen dieser Lager in Verbindung.
Aus anderen Dokumenten, die in der Gedenkstätte ausliegen, werden die vielfältigen Beziehungen zu den
anderen Lagern ersichtlich. Außerdem kann man anhand dieser Unterlagen die Leidens-Wege der Gefangenen
verfolgen. So z.B. den von Arien H., einem ehemaligen holländischen Zwangsarbeiter der Fieseler-Werke in
Kassel. Er war in einem Zwangsarbeiterlager von Fieseler untergebracht und wurde am 7, April 1943 von der
Geheimen Staatspolizei verhaftet, "weil er drei russische Kriegsgefangene mit erhobener, geballter
Faust grüßte". Durch seinen Gruß hatte er sich mit den sowjetischen Kriegsgefangenen solidarisch
erklärt, und das reichte für die Gestapo als Haftgrund aus. Zwei Tage später, am 9. April, wurde
er in Breitenau eingewiesen und von dort am 13. September 1943 in das Konzentrationslager Sachsenhausen /
Oranienburg deportiert.
(aus: Richter, Die Gedenkstätte Breitenau in Guxhagen bei Kassel, S.22)
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